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Presbyakusis

Altersschwerhörigkeit

Die Presbyakusis ist eine progressiv verlaufende Erkrankung, bei der es aufgrund altersbedingter Umbauvorgänge im Innenohr zur zunehmenden Schallempfindungsschwerhörigkeit, seltener zur Schallleitungsschwerhörigkeit kommt.


Symptome

Das Leitsymptom der Presbyakusis ist eine zunehmende, beidseitige Schwerhörigkeit für hohe Frequenzen [1]. Betroffene berichten regelmäßig darüber, hohe Töne kaum mehr wahrzunehmen bzw. nur schlecht zu verstehen. Oft müssen sie ihre Mitmenschen darum bitten, Gesagtes zu wiederholen. Die Erstvorstellung erfolgt für gewöhnlich nach jahrelanger Erkrankung, da sich die Symptome nur sehr langsam entwickeln.

Psychische Belastung
  • Die Verwendung von Hörhilfen wie Hörgeräten oder Implantaten hilft, die Schwerhörigkeit zu kompensieren und einer zunehmenden psychischen Belastung vorzubeugen.[symptoma.com]
  • Eine solche Isolation kann schwere psychische Belastungen bis hin zu Depressionen nach sich ziehen. Das muss nicht sein. Zwar kann die Altersschwerhörigkeit nicht geheilt werden, die Symptome sind jedoch gut behandelbar.[nuernberger.de]
Hörverlust
  • Über Jahre hinweg kommt es aber zu einem progressiven, bilateralen Hörverlust.[symptoma.com]
  • H91.1 Presbyakusis Inkl.: Altersschwerhörigkeit H91.2 Idiopathischer Hörsturz Inkl.: Akuter Hörverlust o.n.A.[icd-code.de]
  • Was sind die ersten Anzeichen für einen Hörverlust? Ein Hörverlust kann sich auf verschiedenen Wegen ankündigen.[geers.de]
  • Dieser Hörverlust im Alter und die sog.[pflege.de]
Tinnitus
  • .: Tinnitus – Endlich Ruhe im Ohr.[thieme.de]
  • Aktuelle Trends aus der neurowissenschaftlichen Tinnitus-Forschung und deren klinische Implikationen. Tinnitus-Forum, 17(1), 18–21. Weitere Links Zum Tinnitus-Lexikon Tinnitus-Therapie durch Tinnitracks Jetzt Tinnitus-Frequenz testweise ermitteln[tinnitracks.com]
  • Der oft quälende Tinnitus kann mit einer entsprechenden Therapie und einem Tinnitus-Noiser gut behandelt werden.[unbeschwert-hoeren.de]
  • Zusätzlich kann ein Ohrgeräusch (Tinnitus) empfunden werden.[flexikon.doccheck.com]
  • Der Prozess geht vielfach mit einem konstanten Ohrgeräusch (Tinnitus) einher.[hno-aerzte-im-netz.de]
Hörstörung
  • Anschließend soll diskutiert werden, welche Möglichkeiten es für eine frühe Erfassung einer Hörstörung im Alter gibt und welche Rolle hier ein gemeinsames Vorgehen von HNO und Geriatrie spielen könnte.[gerontologie-geriatrie-kongress.org]
  • Mit zunehmendem Alter ist das Auftreten einer sogenannten Altersschwerhörigkeit wahrscheinlicher, etwa 25 % aller Erwachsenen über 65 Jahren leiden an einer mittel- bis schwergradigen Hörstörung.[lknoe.at]
  • Betroffene leiden unter einer Hörstörung, die vor allem die Wahrnehmung hoher Frequenzen betrifft. Daraus ergeben sich Probleme im Alltag, insbesondere bei der Kommunikation mit den Mitmenschen.[symptoma.com]
  • Je älter Menschen sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Hörstörung eintritt. So leidet jeder dritte 60–70-Jährige an einer altersbedingten Schwerhörigkeit.[ganzohr.ch]

Diagnostik

Das Alter des Patienten und seine Angaben zur Entwicklung der Beschwerden wecken oft schon einen Verdacht auf eine Presbyakusis. Dennoch ist eine ausführliche otologische Untersuchung angezeigt, um Differentialdiagnosen auszuschließen. Das gilt übrigens auch, wenn der Patient sich seiner Schwerhörigkeit nicht bewusst ist und diese in routinemäßigen Screenings festgestellt wird [2] [3].

In diesem Kontext empfehlen sich beispielsweise audiometrische Messungen zur Quantifizierung des Hörverlustes sowie die Durchführung von Rinne- und Weber-Tests zur Unterscheidung von Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit. Bestehen an dieser Stelle noch Zweifel an der Diagnose oder zeigt der Patient Symptome, die sich durch eine Presbyakusis nicht erklären lassen, sollten das Hörorgan und umgebende Gewebe bildlich dargestellt werden. Am besten eignet sich hierzu die Computertomographie. Bei Verdacht auf systemische Leiden wie Autoimmunerkrankungen oder Infektionen sind zudem Blutanalysen anzufordern.

Therapie

Eine kausale Therapie steht bis heute nicht zur Verfügung, was im Wesentlichen der Tatsache geschuldet ist, dass zur Ätiologie und Pathogenese der Presbyakusis kaum Kenntnisse vorliegen. Die symptomatische Therapie, wenn man sie so bezeichnen will, greift auf Hörhilfen zurück. Zur Verbesserung des Hörvermögens von Patienten mit Presbyakusis können je nach Zustand einzelner Strukturen im Hörorgan und Präferenz des Betroffenen verschiedene Hörhilfen eingesetzt werden:

  • In den meisten Fällen finden gewöhnliche Hörgeräte Anwendung [4]. Sie verbessern das Hörvermögen signifikant und erleichtern den Betroffenen somit die Bewältigung des Alltags.
  • Auch Mittelohrimplantate tragen zu einer Verbesserung des Hörvermögens bei, indem sie bei verstärkter Vibration im Mittelohr die Stimulierung der Sinneszellen in der Cochlea begünstigen [5]. Mittelohrimplantate empfehlen sich bei gering- bis mittelgradiger Schallempfindungsschwerhörigkeit, nicht aber bei absolutem Verlust der Funktion der Hörschnecke.
  • Schließlich können auch Cochleaimplantate eingesetzt werden [6]. Dazu entscheidet man sich in der Regel, wenn die Funktion der Hörschnecke nicht mehr gegeben ist.

Prognose

Die Presbyakusis verläuft progressiv. Zwar sind die pathophysiologischen Ereignisse, die zu dieser Form der Schwerhörigkeit führen, kaum verstanden, aber der Schweregrad der Erkrankung korreliert mit dem Alter des Patienten. Eine spontane Remission ist daher nicht zu erwarten.

Die Prognose für einen möglichst langen Erhalt des Hörvermögens wird weiter negativ beeinflusst, wenn Komorbiditäten wie ein Otosklerose, aber auch Bluthochdruck oder Diabetes mellitus vorliegen. Es wird daher empfohlen, derartige Grunderkrankungen entsprechend der jeweiligen Leitlinien zu behandeln.

Vom Hörverlust abgesehen ergibt sich aus der Presbyakusis vor allem eine psychische Belastung. Die mangelnde Fähigkeit zur Kommunikation führt zur sozialen Isolation und manchmal auch zur Depression. Symptome einer kognitiven Beeinträchtigung oder Demenz können durch eine Presbyakusis verstärkt werden [7].

Ätiologie

Die Ätiologie der Presbyakusis ist kaum verstanden. Für gewöhnlich wird diese Erkrankung als altersbedingt eingestuft, ohne dass diese Einordnung bedeuten würde, dass es sich hierbei um einen physiologischen Prozess handelt. Wahrscheinlich ist die Presbyakusis eine multifaktorielle Erkrankung, bei der ein gewisser physiologischer Hörverlust durch Umweltfaktoren, vor allem Lärm, und Komorbiditäten wie Hypertension, Diabetes mellitus und Atherosklerose so sehr verstärkt wird, dass er den Patienten im Alltag beeinträchtigt [8]. Eine genetische Prädisposition wurde mehrfach vorgeschlagen, konnte aber bis jetzt nicht belegt werden.

Epidemiologie

Die Prävalenz der Presbyakusis variiert vor allem in Bezug auf das Alter der untersuchten Patientengruppen. So sind Schätzungen zufolge etwa ein Viertel aller Menschen im Alter von 50-60 Jahren von dieser Form der Schwerhörigkeit betroffen; unter den über 60-jährigen Personen ist die Prävalenz noch höher. Daraus ergibt sich auch, dass die Diagnose der Presbyakusis gewöhnlich beim geriatrischen Patienten erfolgt [8]. Die Weltgesundheitsorganisation hat vorausgesagt, dass im Jahr 2025 etwa 1,2 Milliarden Menschen im Alter von über 60 Jahren auf der Erde leben und dass 500 Millionen von ihnen an einer signifikanten Reduktion des Hörvermögens aufgrund einer Presbyakusis leiden werden [5].

Einigen Studien zufolge sind Männer häufiger von der Presbyakusis betroffen als Frauen. Allerdings sind weitere Untersuchungen erforderlich, um diese Hypothese zu bestätigen und gegebenenfalls die Ursache einer solchen Prädilektion zu identifizieren.

Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

Unabhängig vom Vorliegen einer Schwerhörigkeit weiß man von altersbedingten Umbauvorgängen im Innenohr und einer Alteration der Funktion von Nerven. Man spekuliert daher, dass es sich bei der Presbyakusis um das Resultat eines multifaktoriellen Geschehens handelt, bei dem neben den zuvor genannten Umbauvorgängen spezifische Schädigungen von Strukturen im Innenohr bestehen. Dementsprechend werden folgende Formen der Presbyakusis unterschieden [9]:

  • Sensorische Presbyakusis: Sie resultiert aus einem Funktionsverlust der Haarzellen und des Corti-Organs, wobei dieser wiederum durch eine Atrophie oder durch die Akkumulation von Lipofuszingranula bedingt sein kann.
  • Neurale Presbyakusis: Der Hörverlust beruht hier auf einer Atrophie der Nervenzellen, die für die Weiterleitung elektrischer Signale in den Nervus vestibulochochlearis verantwortlich und damit Teil der Hörbahn sind. Eine derartige Entwicklung wird häufiger im Bereich der Basis der Cochlea beobachtet.
  • Metabolische Presbyakusis: Eine Atrophie der Zellen der Stria vascularis bedingt Alterationen der elektrochemischen Eigenschaften der Endolymphe und damit eine Reduktion der Funktionalität der Hörschnecke.
  • Mechanische Presbyakusis: Bei älteren Patienten ist häufig eine Verdickung der Basilarmembran der Cochlea festzustellen. Nicht immer kann diesem Befund eine Ursache zugeordnet werden, aber die Ablagerung von Lipofuszin und die andauernde Exposition gegenüber Lärm werden als mögliche Auslöser diskutiert. Die verdickte Basilarmembran ist steifer und deshalb weniger effizient in der Weiterleitung von Schallwellen als die gesunde, dünne Membran jüngerer Patienten. Es handelt sich hierbei insofern um eine Sonderform der Presbyakusis, als dass sie zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit führt.

Prävention

Es können nur generelle Empfehlungen zum Erhalt des Hörvermögens ausgesprochen werden: So ist die Akkumulation von Zerumen zu vermeiden, indem der äußere Gehörgang regelmäßig durch einen Spezialisten gereinigt wird. Von der Entfernung von Ohrenschmalz aus dem äußeren Gehörgang durch den Patienten selbst - oft mit dafür ungeeigneten Instrumenten - ist abzuraten, da ein solches Verhalten für einen Zeruminalpropf prädisponiert. Die Exposition gegenüber Lärm ist so gering wie möglich zu halten und bei Bedarf ist Gehörschutz zu verwenden.

Zusammenfassung

Die Presbyakusis wird auch als altersbedingte Schwerhörigkeit bezeichnet und gehört zu den häufigsten Ursachen der Schwerhörigkeit beim geriatrischen Patienten [10]. In der Regel sind beide Ohren betroffen, aber nicht notwendigerweise manifestieren sich assoziierte Symptome beiderseits zur gleichen Zeit und gleich stark. Über Jahre hinweg kommt es aber zu einem progressiven, bilateralen Hörverlust. Die Verwendung von Hörhilfen erleichtert Betroffenen die Kommunikation mit ihren Mitmenschen und die Orientierung im Alltag und hilft so, eine langfristige psychische Belastung zu vermeiden.

Patientenhinweise

Presbyakusis ist die medizinisch korrekte Bezeichnung für eine altersbedingte Schwerhörigkeit unbekannter Ursache. Betroffene leiden unter einer Hörstörung, die vor allem die Wahrnehmung hoher Frequenzen betrifft. Daraus ergeben sich Probleme im Alltag, insbesondere bei der Kommunikation mit den Mitmenschen. Die Verwendung von Hörhilfen wie Hörgeräten oder Implantaten hilft, die Schwerhörigkeit zu kompensieren und einer zunehmenden psychischen Belastung vorzubeugen.

Quellen

Artikel

  1. Gates GA, Mills JH. Presbycusis. Lancet 2005; 366: 1111
  2. Ventry IM, Weinstein BE. Identification of elderly people with hearing problems. ASHA 1983, 25 (7): 37-42
  3. Lichtenstein MJ, Bess FH, Logan SA. Validation of screening tools for Identifying hearing-impaired elderly in primary care. JAMA 1988, 259: 2875-78
  4. Chisolm TH, Johnson CE, Danhauer L, Portz LJ, Abrams HB, Lesner S, et al. A systematic review of health related quality of life and hearing aids: final report of the American Academy if Audiology Task Force on the health related quality of life benefits of amplification in adults. J Am Acad Audiol 2007; 18: 151-183
  5. Guy's and St Thomas' NHS Trust; Auditory Implant Program: The Middle Ear Implant (MEI) - Information for referers.
  6. Sprinzl GM, Riechelmann H. Current trends in Treating hearing loss in elderly people: a review of the gerontology. 2010; 56 (3): 351-8. ePub. 2012
  7. Dalton DS, Cruickshanks KJ, Klein BE, et al. The impact of hearing loss on quality of life in older adults. Gerontologist. 2003, Oct, 43 (5): 661-8
  8. Davis AC. Epidemiological profile of hearing impairments: the scale and nature of the problem with special reference to the elderly. Acta Otolaryngol Suppl, 1990, 476: 23
  9. Suga F, Lindsay JR. Histopathological observations of presbycusis. Ann Otol Rhinol Laryngol.1976; 85: 169
  10. Nelson EG, Hinojosa R. Presbycusis: a human temporal bone study of worth individuals with downward sloping audiometric patterns of hearing loss and review of the literature. Laryngoscope 2006; 116: 1

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Zuletzt aktualisiert: 2019-07-11 19:48